Christiane ten Hoevel

Unter denkmitderhand.de erfahren Sie mehr zu meiner aktuellen Lehrtätigkeit

denkmitderhand motto

Was ist künstlerisches Tun?

lehre1

Künstlerisches Arbeiten und Handeln ließe sich beschreiben als physische Philosophie, als ein Denken, das über die Hände läuft.Es ist ein Handeln, das über das Greifen zum Begreifen und damit zu Erkenntnis führt. Die Hände erklären dabei dem Kopf, was er nicht fassen kann. Es ist somit eine Tätigkeiten, über die man sich selber lehren kann die Dinge zu unterscheiden. Künstlerisch handeln ist also nicht lediglich ein Erlernen von Techniken, sondern es beinhaltet die Fähigkeit zu differenzieren.

Beim künstlerischen Arbeiten wird ein Prozess durchlaufen, der aus aufeinanderfolgenden Phasen besteht:
Am Anfang steht die ungestaltete Situation. Um daraus etwas zu machen, muss man mit Entschlusskraft einen Prozess in Gang setzen, der das zu Gestaltende dialogfähig macht. D.h. man schafft eine Grundsituation, in der das Material - Material ist hier im weitesten Sinne gemeint - als zu gestaltendes Gegenüber eine eigenständige Kraft entwickelt, zu der man im Dialog damit ein engagiertes Verhältnis entwickeln kann. Im konzentrierten Austausch damit, der aus einem Wechsel von distanzierten Beobachten und aktivem Eingreifen besteht, wächst ein klares Gefühl für Stimmigkeiten und Unstimmigkeiten. Solange, bis die Entscheidung getroffen wird, den Dialog zu beenden und die Arbeit für fertig zu erklären.

In der künstlerischen Lehre durchläuft man diesen Prozess mit quasi supervidierenden Begleitung, um nach und nach ein reiferes, autonomes Bewusstsein über das eigene  Tun und Wollen zu erlangen.

 

Meine Vorgehensweise als Lehrende

lehre3

Bei der Lehre lege ich Wert darauf, das Individuum mit seinem kreativen Potential wahrzunehmen und individuelle Begabungen zu fördern. Dazu ist es nötig, jeden einzelnen Studierenden individuell dort abzuholen, wo er oder sie steht.
Die individuelle Auseinandersetzung und die Arbeit in der Gruppe gehen dabei Hand in Hand.

In der Auseinandersetzung versuche ich, die Intention der Studierenden zu ergründen und zu klären, was die Fragestellung ist. was tue ich und warum tue ich es und sie bei der Suche nach einem adäquaten visuellen Vokabular für ihre Ideen zu unterstützen: wie tue ich es Beim Suchen nach gestalterischen Lösungen halte ich es für wichtig, möglichst vielfältige Ausdrucksformen kennen zulernen, um über ein flexibles Handwerkszeug zu verfügen. was hilft mir beim Tun am besten. Um ein klares und präzises Vorgehen beim künstlerischen Gestalten zu ermöglichen, das sich nicht verzettelt oder verirrt ist es hilfreich, sich über die eigene Arbeitsweise bewusst zu werden. wie tue ich es so, dass es mir gemäß ist.

Anhand der Arbeiten der Studierenden versuche ich in Gruppendiskussionen und Einzelbesprechungen ihre Wahrnehmungs-, Kritik- und Kommunikationsfähigkeit zu schärfen. Dabei ist das Gespräch in der Gruppe ein nicht zu unterschätzender Rahmen. Hier wird nicht nur das Zuhören und gedankliche Übertragen des Gesagten auf die Arbeit geübt, sondern auch das Verbalisieren und Vermitteln von eigenen Einschätzungen und Sichtweisen geschult. Über die Verbindung von einerseits praktischem künstlerischen Arbeiten und andererseits gemeinsamer Reflektion und Kontextualisierung dieses Tuns verbinden sich die Sensibilisierung für komplexe, ästhetische Prozesse mit dem Erlernen von gestalterischen Kenntnissen.

Unterrichtsmethoden

lehre2

Themen
Ich biete immer wieder thematische Aufgabenstellungen als Seminarrahmen an, die einen Einstieg bieten in die Auseinandersetzung zwischen der eigenen Position in Konfrontation mit einem von außen gesetzten Thema. Das Thema selbst ist nicht Grundlage oder Aufgabe, vielmehr dient es als Reibungsfläche, um die eigene künstlerische Haltung und Fragestellung daran abzugleichen und deckungsgleich oder differierend zu formulieren. So kann sich nach und nach das eigene Thema, das jeder Mensch in sich trägt herauskristallisieren und präzisieren

Ästhetik, Theorie
Zu den Themen vermittle ich umfangreiche Information zu zeitgenössischen Kunstpositionen, die in Form von Kurzpräsentationen, Referaten, Ausstellungsbesuchen und Exkursionen vermittelt werden. Diese Form der Umfeldbeobachtung oder Kontextualisierung hilft, die eigene Position in der vergleichenden Abgrenzung oder Ähnlichkeit genauer zu differenzieren und über aktuelle Denk- und Aktionsansätze bewusst zu werden

 

Plastische Denkmodelle

Über experimentelle Übungen wecke ich die Spielfreude der Studierenden und schaffe die Grundlage für eine experimentier- und risikofreudige Arbeitshaltung. Auf Grundlage von Fragestellungen und Handlungsanweisungen werden mit skizzenhaften Material provisorische Aufbauten erstellt, die Gedankengänge, Intentionen und Entwicklungen veranschaulichen. Es entstehen kleine absurd-didaktische Versuchsanordnungen, die zugleich Lehr- und Lernobjekte sind.  Im Verlauf eines spielerischen Umbau- und Betrachtungsprozesses lässt sich an diesen plastischen Gedankenmodellen herausarbeiten und vermitteln, was die Motivation und Intention künstlerischen Arbeitens ist. Im gemeinsamen Gespräch lässt sich nachvollziehen, wie bestimmte Phänomene und Zusammenhänge wahrgenommen werden können.

Absicht dieser plastischen Denkmodelle ist es das praktische Gestalten als Erkenntnisprozess wahrzunehmen.

pdf>> mehr zu plastischen Denkmodellen

Projekte

Über Projektarbeiten, Aktionen und Ausstellungen wird die künstlerische Tätigkeit an die Öffentlichkeit getragen und eingebunden in einen gesellschaftlichen Kontext. Dieser Kontext mit unterschiedlichen Öffentlichkeiten ermöglicht einen kritischen Dialog ermöglicht, in dem die eigene Position und Haltung mit der der jeweiligen Öffentlichkeit abgeglichen und reflektiert wird. In diesem Kontextbezogenen Positionieren wird in der Selbstreflektion eine interdisziplinäre Denkhaltung gefördert. Zudem wird das gestalterische Vokabular entsprechend der gewünschten Vermittlungsabsichten adaptiert und erweitert.

Meine Rolle als Lehrende

lehre4

Meine Rolle als Lehrende sehe ich darin, für die Studierenden einen Raum zu öffnen, indem sie sich der eigenen oder beauftragten Fragestellung gedanklich, kontextuell und über das künstlerische Tun nähern können. in diesen offenen, künstlerischen Diskursräumen können kreative Prozesse sich entfalten und individuelle Fragestellungen in der Auseinandersetzung geklärt werden. Neben diesem Öffnen und Begleiten unterstütze ich die Studierenden dabei, eine eigenständige gestalterische Sprache zu entwickeln, mit der sie ihre Positionen und Anliegen formulieren können.
Bei der Konzeption und Durchführung von Projekten helfe ich ihnen, einen adäquaten öffentlichen Rahmen für die Darstellung der Arbeiten zu entwickeln.

Wichtig ist es mir, mit einer interdisziplinären Denkhaltung die Auffassung von dem, was Kunst sei, zu erweitern und in einen gesellschaftlichen Zusammenhang zu setzen. So bedarf es neben der Herausbildung der künstlerischen auch der interdisziplinären Kompetenzen. Kunstausbildung ist für mich eine Wahrnehmungsbildung mit einem immensen Gestaltungspotential, das in ganz heterogenen Berufsbildern münden kann, bei denen ein kunstgenuines Umfeld nur eines von vielen möglichen ist.
Es ist eine Möglichkeit die Entwicklung von Kunst für den Menschen zu fördern- eine Kunst, die bereit ist, Gegenwart mitzugestalten, die Stellung bezieht und bereit ist, Zukunftsfragen zu behandeln.
Beim Unterrichten gebe ich meine Erfahrungen aus der eigenen Arbeit direkt an die Studierenden weiter. Die eigene künstlerische Arbeit ist somit Grundlage zur Vermittlung.

Unterrichten ist für mich ein Prozess, indem das Engagement beider Seiten eine Bereicherung für alle Beteiligten ergibt. So lerne ich im Gegenzug von der Offenheit, dem Engagement, dem frischen Blick der Studierenden und vor allem von der gemeinsamen Auseinandersetzung, in der die unterschiedlichen Blickwinkel oft unvorhergesehene Möglichkeiten ins Blickfeld bringen