Christiane ten Hoevel

Die WandWerke sind ein künstlerisches Dienstleistungsangebot, dass sich in temporär leerstehenden Räumen und auf Wänden ausbreitet. Wo `Frei-Raum´ ist entfaltet sich das Angebot und geht dabei von einem Selbstverständnis aus, dass den öffentlichen Raum als Atelier begreift.
Die vordergründige Dienstleistung ist, dass auf Basis eines künstlerischen Archives von Motiven für die Wände des Interessenten ein individueller Entwurf angefertigt wird, der direkt auf die zu gestaltenden Wände aufgetragen wird. Die tieferliegende Wirkung geht über die Dekoration hinaus. Die Bilder verdecken zwar eine freie Wand, geben aber paradoxerweise in dieser Verdeckung den Blick frei auf etwas weit Dahinterliegendes. Das Bild wird zu einem Ausgangspunkt der Anlass gibt über die dargestellte Sache hinaus zu denken.
Die einzige Begrenzung der Bilder ist das Ende der Wand. Direkt anschließend fängt das reale Leben an. Die Bilder gehen eine Liaison mit dem umliegenden Kontext ein und werden so zum Ereignis des täglichen Umfeldes. Das Anliegen ist, Kunst nicht nur ideell in Umlauf zu bringen, sondern sie im Leben, mitten im alltäglichen Lebensumfeld zu platzieren. Dort bekommt sie einen Stellenwert zugewiesen, der quer läuft zu der Flut der Werbebilder und der in seiner unvernutzten Stille durch allergrößte Selbstverständlichkeit geprägt ist. In dieser Stille erlauben die Bilder eine Sättigung der Sinne, die gelegentlich zu einem Gefühl der Leere führen kann. In Wahrheit handelt es sich dabei jedoch um die Fülle des Seins, die sich in dem Moment des Überraschtwerdens durch ein unschuldiges Auge ins Bewusstsein des Betrachters schleichen kann.

2004 wandwerke0 2004 wandwerke1

 2004 wandwerke6a

Das Angebot der „WandWerke“ wandert und kann sich an jedem Ort ausbreiten, an dem `Frei-Raum´ ist. Es existiert in realen Umsetzungen und in Entwürfen, die als Vorschläge für Möglichkeiten zu werten sind.